Was ist eine
EPD
Auch bekannt als: Environmental Product Declaration, Umwelt-Produktdeklaration, Typ-III-Umweltdeklaration
Eine EPD (Environmental Product Declaration) ist ein standardisiertes, von unabhängigen Dritten geprüftes Dokument, das die Umweltwirkungen eines Produkts über seinen Lebenszyklus angibt, etwa Treibhausgasemissionen, Energiebedarf und Ressourcenverbrauch. Die Werte beruhen auf einer Ökobilanz nach gemeinsamen Regeln für die Produktgruppe. Eine EPD sagt nicht, ob ein Produkt „umweltfreundlich“ ist, sondern nur, welche Kennwerte es hat.
Auf Deutsch heißt sie Umwelt-Produktdeklaration, und sie ist eine von mehreren Deklarationen, denen Sie im Vergabewesen begegnen. Anders als ein Umweltzeichen erteilt eine EPD keine Auszeichnung, sondern liefert Zahlen, die sich vergleichen und in einer Treibhausgasbilanz verwenden lassen.
Wie funktioniert eine EPD?
Eine EPD wird nach ISO 14025 erstellt, die Typ-III-Umweltdeklarationen regelt. Für Bauprodukte gilt zusätzlich EN 15804+A2. Die Berechnung selbst ist eine Ökobilanz (LCA) nach ISO 14040 und 14044, durchgeführt nach Produktkategorieregeln (PCR), damit gleichartige Produkte gleich gerechnet werden.
Der Wert, den Sie in Ausschreibungen am häufigsten sehen, ist das GWP (Global Warming Potential): Treibhausgasemissionen in kg CO₂e je deklarierter Einheit. Der Lebenszyklus wird in Module unterteilt. A1–A3 umfassen die Herstellung, A4 den Transport zur Baustelle und A5 den Einbau. Die Module B, C und D decken Nutzung, Entsorgung und Recyclingpotenzial ab.
Ein unabhängiger Prüfer verifiziert die EPD, bevor ein Programmbetreiber sie veröffentlicht. In Deutschland ist das vor allem das Institut Bauen und Umwelt (IBU), einer der größten EPD-Programmbetreiber Europas. Eine EPD gilt in der Regel fünf Jahre.
Auftraggeber können EPDs auf drei Arten nutzen, wenn sie Klima- und Umweltaspekte berücksichtigen:
- Als Mindestanforderung in der Leistungsbeschreibung: Zum Beispiel „höchstens X kg CO₂e je m³ Beton“, nachgewiesen durch eine EPD.
- Als Zuschlagskriterium: Das niedrigste GWP unter vergleichbaren Produkten erhält die beste Bewertung.
- Als Datenquelle für Gebäudebilanzen: Ökobilanzen nach EN 15978, etwa für Nachhaltigkeitszertifizierungen, greifen auf EPD-Werte zurück.
Anforderungen an EPDs müssen verhältnismäßig sein, und Auftraggeber müssen gleichwertige Nachweise akzeptieren. Beachten Sie auch den Unterschied zu einem Gütezeichen: Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel sind Typ-I-Zeichen nach ISO 14024 und sagen nur „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ gegenüber festen Kriterien. Eine EPD ist Typ III und liefert quantitative Werte zum Vergleich.
Ein Beispiel: Ein Betonhersteller liefert für einen kommunalen Schulneubau, für den die Ausschreibung klimareduzierten Beton verlangt. Der Hersteller legt eine projektbezogene EPD vor, nach der das GWP für A1–A3 unter dem vom Auftraggeber gesetzten Grenzwert liegt. Die Werte fließen direkt in die Gebäudebilanz des Bauunternehmens ein. Wer nach Norwegen liefert, findet dort mit EPD-Norge einen eigenen Programmbetreiber, und die Gebäudebilanz folgt TEK17 § 17-1.
Warum ist eine EPD für Bieter wichtig?
Ohne EPD können Sie die Klimawerte Ihres Produkts nicht belegen. Dann muss Ihr Kunde oft mit generischen Werten rechnen, und die sind meist höher als die Werte Ihres tatsächlichen Produkts. Eine gute EPD kann also Ihnen und dem Bauunternehmen, das Sie beliefern, eine bessere Bewertung verschaffen.
Eine EPD ist zudem wiederverwendbar: Haben Sie sie einmal, nutzen Sie sie in allen Ausschreibungen während der Gültigkeitsdauer. Werkzeuge wie Cobrief helfen Ihnen zu erkennen, welche Ausschreibungen eine EPD verlangen oder Treibhausgasemissionen gewichten, damit Sie wissen, was Sie bereithalten müssen.
Häufige Fragen
Ist eine EPD dasselbe wie ein Umweltzeichen?
Nein. Ein Umweltzeichen zeigt, dass ein Produkt bestimmte Anforderungen erfüllt. Eine EPD liefert nur die Werte, ohne sie als gut oder schlecht einzustufen.
Wie lange ist eine EPD gültig?
In der Regel fünf Jahre. Verschlechtern sich die Umweltindikatoren in dieser Zeit deutlich, muss sie aktualisiert werden.
Können wir eine Branchen-EPD verwenden?
Oft ja. Viele Auftraggeber akzeptieren Verbands- oder Branchen-EPDs. Eine produktspezifische EPD liefert aber genauere Werte, und oft niedrigere.
Kurz gesagt: Eine EPD ist die Klimabilanz eines Produkts auf Papier. Sie gibt dem Auftraggeber vergleichbare Zahlen und Ihnen einen Nachweis, mit dem Sie im Wettbewerb punkten.