Was sind
Vergabedaten
Auch bekannt als: Beschaffungsdaten, Ausschreibungsdaten
Vergabedaten sind die strukturierten Informationen, die im Laufe öffentlicher Aufträge entstehen. Sie umfassen alles von Bekanntmachungen und Vergabeunterlagen über eingereichte Angebote bis hin zu Zuschlagsentscheidungen und Auftragswerten. Diese Daten geben Aufschluss darüber, was die öffentliche Hand beschafft, von wem und zu welchem Preis.
Wie funktionieren Vergabedaten?
Wenn ein öffentlicher Auftraggeber ein Vergabeverfahren durchführt, fallen in jeder Phase Daten an: Bedarfsplanung, Veröffentlichung, Angebotseingang, Bewertung und Zuschlagserteilung. EU-weite Bekanntmachungen werden über TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlicht, während nationale Plattformen die Bekanntmachungen unterhalb der EU-Schwellenwerte abwickeln. In Deutschland sind dies unter anderem das Vergabeportal des Bundes (service.bund.de) sowie Landesvergabeportale.
Ein zentrales Problem ist, dass ein erheblicher Teil der Vergabedaten in kommerziellen E-Vergabeplattformen eingeschlossen bleibt. Eingereichte Angebote, Bewertungsergebnisse und Vertragsdetails sind häufig nicht öffentlich zugänglich. Die EU hat mit dem Public Procurement Data Space (PPDS), der im September 2024 gestartet wurde, einen wichtigen Schritt unternommen, um TED-Daten mit nationalen Vergabedatensätzen zu verknüpfen und eine einheitliche Dateninfrastruktur für das öffentliche Auftragswesen in Europa zu schaffen.
In Norwegen werden Bekanntmachungen auf der Plattform Doffin veröffentlicht. Das öffentliche Beschaffungsvolumen liegt dort bei rund 800 Milliarden NOK (ca. 70 Mrd. EUR) jährlich, doch der Zugang zu den eigenen Daten ist für die öffentliche Hand bisher eingeschränkt.
Warum sind Vergabedaten wichtig?
- Transparenz und Kontrolle: Offene Vergabedaten ermöglichen es zu analysieren, ob das Vergaberecht eingehalten wird und ob Umwelt-, Sozial- und andere Kriterien korrekt angewendet werden.
- Besserer Wettbewerb: Wenn Daten frei verfügbar sind, können mehr Bieter relevante Ausschreibungen finden, ohne teure Lizenzen bezahlen zu müssen. Das stärkt den Wettbewerb und führt zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Datengestützte Steuerung: Die Auswertung von Vergabedaten zeigt Ausgabenmuster und Marktkonzentrationen auf, sodass Auftraggeber ihre Beschaffungsstrategien gezielter verbessern können.
- Marktintelligenz: Für Unternehmen liefern historische Vergabedaten wertvolle Einblicke in kommende Bedarfe und Beschaffungsmuster im öffentlichen Sektor.
Werkzeuge wie Cobrief bündeln und strukturieren Vergabedaten aus verschiedenen Quellen, damit Unternehmen relevante Ausschreibungen leichter finden und den Markt gezielt beobachten können.
Der Weg zu offenen Vergabedaten
Der Open Contracting Data Standard (OCDS), unterstützt von G7 und G20, ist der führende internationale Standard für die Veröffentlichung strukturierter Vergabedaten. In der EU verbessern Initiativen wie eForms und der PPDS die Datenqualität erheblich. Unterhalb der EU-Schwellenwerte bleibt die Datenlage in vielen Mitgliedstaaten allerdings lückenhaft.
In Deutschland hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit der Vergabestatistikverordnung (VergStatVO) einen Rahmen geschaffen, der erstmals systematisch Daten zu öffentlichen Aufträgen erfasst. Seit 2020 sind Auftraggeber verpflichtet, Vergabedaten an die Vergabestatistik zu melden.
Offene Vergabedaten sind eine Grundvoraussetzung für echte Transparenz im öffentlichen Auftragswesen. Wenn Informationen zugänglich und maschinenlesbar sind, können Behörden, Unternehmen und Zivilgesellschaft gemeinsam zu einer besseren Verwendung öffentlicher Mittel beitragen.