Was ist ein
wettbewerblicher Dialog
Der wettbewerbliche Dialog ist ein Vergabeverfahren, bei dem der öffentliche Auftraggeber einen strukturierten Dialog mit ausgewählten Unternehmen führt, um die beste Lösung für einen komplexen Bedarf zu finden. Im Unterschied zum offenen Verfahren, bei dem alle Details vorab feststehen, gibt dieses Verfahren Raum, die Lösung gemeinsam mit dem Markt zu entwickeln, bevor die Bieter ihre endgültigen Angebote einreichen. Die Rechtsgrundlage bilden § 119 Abs. 6 GWB und § 18 VgV.
Wie läuft ein wettbewerblicher Dialog ab?
Das Verfahren umfasst zwei Stufen. Zunächst wird die Bekanntmachung veröffentlicht und alle interessierten Unternehmen können einen Teilnahmeantrag einreichen. Der Auftraggeber führt einen Teilnahmewettbewerb durch und prüft die Eignungskriterien.
Die ausgewählten Bewerber werden dann zur Dialogphase eingeladen. Hier diskutieren Auftraggeber und Unternehmen technische, rechtliche und finanzielle Aspekte der Lösung, häufig in mehreren Runden. Der Auftraggeber kann die Zahl der Lösungsvorschläge schrittweise anhand der Zuschlagskriterien reduzieren.
Sobald der Auftraggeber eine oder mehrere geeignete Lösungen identifiziert hat, wird der Dialog beendet und die Unternehmen werden zur Abgabe endgültiger Angebote aufgefordert. Nach Abschluss des Dialogs darf nicht mehr verhandelt werden.
Wann kann das Verfahren eingesetzt werden?
Der wettbewerbliche Dialog kann unter denselben Voraussetzungen wie das Verhandlungsverfahren eingesetzt werden (§ 14 Abs. 3 VgV). Typische Einsatzgebiete sind besonders komplexe Beschaffungen, Situationen, in denen bestehende Lösungen angepasst werden müssen, oder wenn der Auftraggeber die Leistungsbeschreibung vorab nicht präzise genug formulieren kann.
Werkzeuge wie Cobrief helfen Unternehmen, Bekanntmachungen wettbewerblicher Dialoge frühzeitig zu erkennen, um die Relevanz rechtzeitig einschätzen zu können.
Der wettbewerbliche Dialog ist ein aufwendiges, aber flexibles Verfahren, das dem Auftraggeber ermöglicht, die Lösungen des Marktes gründlich zu erkunden. Für Unternehmen bedeutet es die Chance, die Lösungsgestaltung mitzuprägen, aber auch eine erhebliche Investition bereits vor der Angebotsabgabe.