Was sind
Vergabeverfahrensarten
Auch bekannt als: Verfahrensarten
Vergabeverfahrensarten sind die gesetzlich geregelten Methoden, die ein öffentlicher Auftraggeber bei der Durchführung eines Vergabeverfahrens anwendet. Die Wahl der Verfahrensart bestimmt den gesamten Ablauf von der Bekanntmachung bis zur Zuschlagserteilung und richtet sich nach dem geschätzten Auftragswert und der Komplexität des Vorhabens.
Wie wird die Verfahrensart gewählt?
Welche Verfahrensarten zur Verfügung stehen, hängt vom Auftragswert und den Umständen ab:
- Unter den EU-Schwellenwerten: Es gelten die nationalen Regelungen der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Für Aufträge unter 1.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) ist eine Direktvergabe möglich.
- Über den EU-Schwellenwerten: Die VgV sieht definierte formale Verfahrensarten vor. Vorrangig sind das offene Verfahren und das nicht offene Verfahren. Das Verhandlungsverfahren, der wettbewerbliche Dialog und die Innovationspartnerschaft dürfen nur unter den besonderen Voraussetzungen des § 14 Abs. 3 und 4 VgV gewählt werden.
Die wichtigsten Verfahrensarten
- Offenes Verfahren (§ 15 VgV): Jedes interessierte Unternehmen kann ein Angebot abgeben. Verhandlungen sind nicht zulässig. Dies ist die mit Abstand häufigste Verfahrensart.
- Nicht offenes Verfahren (§ 16 VgV): Die Unternehmen werden zunächst im Teilnahmewettbewerb ausgewählt. Nur eingeladene Bewerber dürfen ein Angebot einreichen.
- Verhandlungsverfahren (§ 17 VgV): Der Auftraggeber kann mit den Bietern über deren Angebote verhandeln. Zulässig bei komplexen Beschaffungen oder wenn ein vorheriges offenes oder nicht offenes Verfahren gescheitert ist.
- Wettbewerblicher Dialog (§ 18 VgV): In einer strukturierten Dialogphase wird die Lösung gemeinsam mit dem Markt entwickelt, bevor endgültige Angebote eingereicht werden.
- Innovationspartnerschaft (§ 19 VgV): Entwicklung und Beschaffung in einem Vertrag. Nur zulässig, wenn keine geeignete Lösung am Markt verfügbar ist.
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Die Wahl der Verfahrensart ist eine strategische Entscheidung, die den Bieterzugang, die Verhandlungsmöglichkeiten und den Zeitrahmen beeinflusst. Während offene und nicht offene Verfahren für Standardbeschaffungen geeignet sind, können komplexe oder innovative Vorhaben von Verfahrensarten profitieren, die einen intensiveren Dialog zwischen Auftraggeber und Markt ermöglichen.