Glossar/Schwellenwert

Was ist ein

Schwellenwert

Auch bekannt als: EU-Schwellenwert, Auftragswert

Ein Schwellenwert ist eine finanzielle Wertgrenze, die bestimmt, welche Vergaberegeln bei der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen durch die öffentliche Hand gelten. Diese Grenzen sind bedeutsam, weil sie festlegen, wie umfangreich das Vergabeverfahren sein muss und welche Anforderungen an die Bekanntmachung gestellt werden.

Wie funktionieren Schwellenwerte?

Die EU-Schwellenwerte werden alle zwei Jahre durch die Europäische Kommission angepasst. Für den Zeitraum 2024-2025 gelten folgende Werte für öffentliche Aufträge:

  • Oberste und obere Bundesbehörden: ab 143.000 EUR (Liefer- und Dienstleistungen)
  • Andere öffentliche Auftraggeber: ab 221.000 EUR (Liefer- und Dienstleistungen)
  • Bauleistungen: ab 5.538.000 EUR

Für den Zeitraum 2026-2027 gelten neue Werte: 140.000 EUR (zentrale Regierungsbehörden), 216.000 EUR (andere Auftraggeber), 5.404.000 EUR (Bauleistungen). Oberhalb dieser Schwellenwerte muss die Bekanntmachung über TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlicht werden.

Praktische Bedeutung

Wenn der Auftragswert einen Schwellenwert überschreitet, muss der Auftraggeber strengere Regeln einhalten:

  • Es müssen vollständige Vergabeunterlagen erstellt werden
  • Die Ausschreibung muss EU-weit veröffentlicht werden
  • Es gelten Mindestfristen für die Angebotsabgabe
  • Das Verfahren muss einer der in § 119 GWB vorgesehenen Verfahrensarten folgen
  • Bietern steht ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer offen

Für die Berechnung ist der geschätzte Gesamtwert über die gesamte Vertragslaufzeit einschließlich Optionen maßgebend (§ 3 VgV). Beispiel: Werden Beratungsleistungen für 12.000 EUR monatlich über zwei Jahre beauftragt, beträgt der Gesamtwert 288.000 EUR. Damit greifen für die meisten Auftraggeber die EU-Vergaberegeln.

Werkzeuge wie Cobrief helfen Unternehmen, aktuelle Schwellenwerte im Blick zu behalten und relevante Ausschreibungen passend zum eigenen Leistungsprofil zu finden. In Norwegen gelten eigene nationale Schwellenwerte (ab 1,3 Mio. NOK für Doffin-Kunngjøring) zusätzlich zu den EWR-Schwellenwerten.

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