Glossar/Nachprüfbarkeit

Was ist

Nachprüfbarkeit

Auch bekannt als: Transparenzgrundsatz, Überprüfbarkeit

Nachprüfbarkeit ist einer der zentralen Grundsätze des Vergaberechts. Das Prinzip verlangt, dass ein öffentlicher Auftraggeber alle wesentlichen Bewertungen und Entscheidungen im gesamten Vergabeprozess so dokumentieren muss, dass Dritte im Nachhinein kontrollieren können, ob das Verfahren regelkonform durchgeführt wurde. Es ist eng verbunden mit dem Transparenzgrundsatz des § 97 Abs. 1 GWB.

Wie funktioniert Nachprüfbarkeit?

Der Kern des Grundsatzes ist, dass die Handlungen des Auftraggebers einer Überprüfung standhalten müssen. Jede Kommunikation zwischen Auftraggeber und Bietern sollte schriftlich erfolgen und dokumentiert werden. Mündliche Gespräche, Besprechungen und Verhandlungen müssen in Protokollen festgehalten werden, die detailliert genug sind, damit Außenstehende nachvollziehen können, was geschehen ist und welche Überlegungen angestellt wurden.

Das Prinzip zeigt sich in mehreren konkreten Regelungen: Die Pflicht zur Führung eines Vergabevermerks (§ 8 VgV) sichert die systematische Dokumentation des Verfahrens. Die Begründungspflicht bei der Zuschlagserteilung ermöglicht es nicht berücksichtigten Bietern zu prüfen, ob die Zuschlagskriterien korrekt angewendet wurden. Und die Bekanntmachungspflichten sorgen für Transparenz bei Vertragsschlüssen.

Warum ist Nachprüfbarkeit wichtig?

  • Rechtsschutz für Bieter: Ermöglicht die Kontrolle, ob Entscheidungen sachgerecht und regelkonform sind
  • Vertrauen in die öffentliche Beschaffung: Die Allgemeinheit kann nachprüfen, ob öffentliche Mittel ordnungsgemäß verwendet werden
  • Vorbeugung gegen Fehler und Missbrauch: Das Wissen, dass Entscheidungen überprüft werden können, wirkt disziplinierend
  • Nachprüfungsverfahren: Bieter, die sich benachteiligt sehen, können bei den Vergabekammern ein Nachprüfungsverfahren einleiten, in dem die Dokumentation entscheidend ist

Die Vergabekammern und Oberlandesgerichte haben in zahlreichen Entscheidungen Verstöße gegen die Dokumentationspflicht festgestellt. Werkzeuge wie Cobrief helfen Unternehmen, öffentliche Ausschreibungen zu verfolgen, bei denen Transparenz und Dokumentation besonders wichtig sind.

Nachprüfbarkeit ist ein tragender Pfeiler des deutschen und europäischen Vergaberechts. Zusammen mit Gleichbehandlung, Wettbewerb und Verhältnismäßigkeit bildet sie den Rahmen, der faire und vertrauenswürdige Vergabeverfahren gewährleistet.

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