Glossar/EU-Schwellenwerte

Was sind

EU-Schwellenwerte

Auch bekannt als: europäische Schwellenwerte

EU-Schwellenwerte sind die von der Europäischen Kommission festgelegten Wertgrenzen, ab denen öffentliche Aufträge nach den Regeln der EU-Vergaberichtlinien vergeben werden müssen. Überschreitet der geschätzte Auftragswert den jeweiligen Schwellenwert, muss das Vergabeverfahren EU-weit auf TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlicht werden, und es gelten die strengen Verfahrensvorschriften des GWB und der VgV.

Wie funktionieren die EU-Schwellenwerte?

Die EU-Schwellenwerte werden alle zwei Jahre von der Europäischen Kommission angepasst, um Währungsschwankungen zwischen dem Euro und den Sonderziehungsrechten (SZR) auszugleichen. Die Anpassung erfolgt auf Grundlage des WTO-Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen (GPA).

Die aktuellen EU-Schwellenwerte für den Zeitraum 2026-2027 gemäß Richtlinie 2014/24/EU (ohne MwSt.):

  • 140.000 € für Liefer- und Dienstleistungsaufträge oberster Bundesbehörden
  • 216.000 € für Liefer- und Dienstleistungsaufträge anderer öffentlicher Auftraggeber (z. B. Kommunen)
  • 5.404.000 € für Bauaufträge
  • 750.000 € für soziale und andere besondere Dienstleistungen

Unterhalb dieser Schwellenwerte gelten die einfacheren nationalen Vergabevorschriften, etwa die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) für Liefer- und Dienstleistungen.

Was geschieht oberhalb der EU-Schwellenwerte?

Das Überschreiten der EU-Schwellenwerte löst mehrere Pflichten aus:

  • Veröffentlichung auf TED: Die Bekanntmachung muss in der EU-Vergabedatenbank veröffentlicht werden, damit Bieter aus dem gesamten EWR teilnehmen können
  • Volle Verfahrensregeln: Es gelten die detaillierten Vorschriften des GWB und der VgV zu Vergabeunterlagen, Fristen und Dokumentation
  • Aufteilungsverbot: Ein Auftrag darf nicht künstlich aufgeteilt werden, um unter dem Schwellenwert zu bleiben
  • Wartefrist: Zwischen Zuschlagsentscheidung und Vertragsschluss gilt eine Informations- und Wartefrist

Der Auftragswert wird auf Basis des geschätzten Gesamtwerts über die gesamte Vertragslaufzeit einschließlich Optionen berechnet. Werkzeuge wie Cobrief erleichtern es, Bekanntmachungen oberhalb der EU-Schwellenwerte zu verfolgen und auf relevante Ausschreibungen aufmerksam zu werden.

Die EU-Schwellenwerte bilden die Grenze zwischen nationalem und europäischem Vergaberecht. Sie gewährleisten, dass Aufträge von erheblichem Wert dem grenzüberschreitenden Wettbewerb im EWR geöffnet werden.

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