Glossar/Vorkommerzielle Auftragsvergabe

Was ist die

vorkommerzielle Auftragsvergabe

Auch bekannt als: PCP, Pre-Commercial Procurement

Die vorkommerzielle Auftragsvergabe (Pre-Commercial Procurement, PCP) ist eine Form der Innovationsbeschaffung, bei der öffentliche Stellen Forschung und Entwicklung (FuE) beauftragen, um Lösungen zu entwickeln, die am Markt noch nicht verfügbar sind. Die Methode fällt unter die FuE-Ausnahme des Vergaberechts und folgt dem von der EU-Kommission entwickelten PCP-Ansatz.

Wie funktioniert eine vorkommerzielle Auftragsvergabe?

Der Prozess beginnt mit einer gründlichen Bedarfsklärung und Markterkundung, bei der der Auftraggeber prüft, ob der Bedarf mit bestehenden Lösungen gedeckt werden kann oder neue Entwicklungen erforderlich sind. Anschließend werden die Anforderungen als funktionale Anforderungen beschrieben.

Mehrere Unternehmen werden eingeladen, parallel in drei Entwicklungsphasen zu konkurrieren:

  • Phase 1 – Lösungsdesign: Die Unternehmen erarbeiten Konzepte und Lösungsvorschläge
  • Phase 2 – Prototyping: Die vielversprechendsten Vorschläge werden zu Prototypen weiterentwickelt
  • Phase 3 – Testphase: Mindestens zwei Unternehmen testen ihre Lösungen unter realen Bedingungen

Nach jeder Phase werden die Ergebnisse bewertet, und die Anzahl der Unternehmen kann reduziert werden. Nach Abschluss der Testphase ist die vorkommerzielle Auftragsvergabe beendet. Die entwickelten Lösungen können anschließend in einem regulären Vergabeverfahren beschafft werden.

Abgrenzung zur Innovationspartnerschaft

Bei einer Innovationspartnerschaft werden Entwicklung und Beschaffung in einem Vertrag nach § 19 VgV zusammengefasst. Bei der vorkommerziellen Auftragsvergabe gibt es dagegen eine klare Trennung: Die FuE-Phase wird zuerst durchgeführt, und ein eventueller Kauf erfolgt danach in einem gesonderten Verfahren. Die Unternehmen behalten die Rechte (IPR) an ihren Entwicklungen und können die Lösungen frei vermarkten.

Werkzeuge wie Cobrief helfen Unternehmen, solche Möglichkeiten frühzeitig zu erkennen, um einschätzen zu können, ob das Projekt zu ihrer FuE-Kompetenz passt.

Die vorkommerzielle Auftragsvergabe eignet sich besonders für komplexe gesellschaftliche Herausforderungen, bei denen völlig neue Lösungen benötigt werden. Durch den phasenweisen Wettbewerb mehrerer Unternehmen wird das Risiko reduziert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, die beste Lösung zu finden.

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