Was ist
Peppol
Auch bekannt als: Pan-European Public Procurement OnLine
Peppol ist ein internationales Netzwerk für den sicheren und standardisierten Austausch elektronischer Geschäftsdokumente zwischen Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern. Das Netzwerk wurde ursprünglich 2008 als EU-finanziertes Projekt entwickelt, um grenzüberschreitende öffentliche Vergabeverfahren zu vereinfachen, und ist seitdem zu einer globalen Infrastruktur mit über 2,5 Millionen registrierten Teilnehmern in 111 Ländern gewachsen.
Wie funktioniert Peppol?
Peppol nutzt ein Vier-Ecken-Modell, bei dem Sender und Empfänger über zertifizierte Zugangspunkte (Access Points) miteinander verbunden werden. Man kann es sich als Postnetzwerk für elektronische Dokumente vorstellen: Das Unternehmen sendet eine Rechnung an seinen Zugangspunkt, der die Adresse des Empfängers im Netzwerk ermittelt und das Dokument weiterleitet, unabhängig davon, welches System der Empfänger verwendet. Die gesamte Kommunikation ist verschlüsselt und validiert, was Schutz vor Betrug und Fehlzustellungen bietet.
Die Infrastruktur basiert auf drei Komponenten: einem zentralen Adressverzeichnis (SML), das alle Teilnehmer erfasst, lokalen Dienstregistern (SMP) mit technischen Informationen über den einzelnen Empfänger und den Zugangspunkten selbst, die den Transport abwickeln.
Peppol in der deutschen Vergabepraxis
Deutschland hat die EU-Richtlinie 2014/55/EU zur elektronischen Rechnungsstellung über die E-Rechnungsverordnung (ERechV) umgesetzt. Seit November 2020 sind alle öffentlichen Auftraggeber des Bundes verpflichtet, elektronische Rechnungen über Peppol oder das zentrale Rechnungseingangsportal (ZRE/OZG-RE) entgegenzunehmen. Das akzeptierte Format ist XRechnung, das den europäischen Standard EN 16931 implementiert.
Das Netzwerk wird international von der gemeinnützigen Organisation OpenPeppol gesteuert, in der Deutschland über das BMI und die KoSIT aktiv vertreten ist.
Peppol umfasst weit mehr als nur Rechnungen: Das Netzwerk unterstützt die gesamte Bestell-bis-Zahlung-Kette einschließlich Bestellungen, Kataloge und Lieferscheine. Werkzeuge wie Cobrief helfen Bietern, Ausschreibungen zu finden, in denen Anforderungen an den elektronischen Dokumentenaustausch über Peppol in den Vergabeunterlagen spezifiziert sind.
Peppol ist das Rückgrat des digitalen Geschäftsverkehrs mit der öffentlichen Hand in Europa. Für Unternehmen, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen möchten, ist die Anbindung an das Peppol-Netzwerk über einen zertifizierten Zugangspunkt in der Praxis eine Grundvoraussetzung.