Was sind
Hochrisikoprodukte
Auch bekannt als: Hochrisikobeschaffungen
Hochrisikoprodukte sind Waren, bei denen umfassende Dokumentation über systematische Verletzungen grundlegender Menschenrechte und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen in der Lieferkette vorliegt. Im deutschen Vergaberecht gewinnt der Begriff durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) zunehmend an Bedeutung, da Auftraggeber bei Beschaffungen mit Menschenrechtsrisiken besondere Sorgfalt walten lassen müssen.
Wie werden Hochrisikoprodukte identifiziert?
Orientierung bieten Hochrisikoproduktlisten, die Produktkategorien mit dokumentiert hohem Risiko für Verstöße gegen ILO-Kernarbeitsnormen und nationale Arbeitsschutzgesetze erfassen. Die Risikobewertung deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab, vom Rohstoffabbau bis zum fertigen Produkt. Zu den typischen Kategorien zählen:
- Textilien, Arbeitskleidung und Schuhe, mit Risiken für Zwangs- und Kinderarbeit in Ländern wie Bangladesch, Indien und China
- IKT-Produkte, mit hohem Risiko bei Rohstoffgewinnung und Komponentenfertigung
- Bau- und Anlagenmaterialien, mit dokumentierten Verstößen bei Gewinnung und Verarbeitung
- Lebensmittel und Getränke, mit Risiken in der Landwirtschaft und Verarbeitung in Hochrisikoländern
- Konfliktmineralien, Chemikalien, Medizinprodukte, Büromaterial sowie Spiel- und Sportartikel
Die Listen sind orientierend. Auftraggeber müssen auch für Produkte, die nicht aufgeführt sind, eigenständige Risikoanalysen durchführen.
Anforderungen und Vertragsklauseln
Bei der Beschaffung von Hochrisikoprodukten empfiehlt es sich, spezifische Auftragsausführungsbedingungen aufzunehmen, die den Bieter und seine Unterauftragnehmer zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und zur Durchführung von Sorgfaltsprüfungen gemäß den OECD-Leitsätzen verpflichten.
Der Nachweis kann über Zertifizierungen wie Fairtrade, FSC, GOTS, Rainforest Alliance oder TCO Certified erfolgen. Auftraggeber sollten den Markt frühzeitig über solche Anforderungen informieren, etwa im Rahmen einer Markterkundung. Werkzeuge wie Cobrief helfen Unternehmen, Ausschreibungen zu identifizieren, in denen Anforderungen an Hochrisikoprodukte gestellt werden.
Hochrisikoprodukte sind ein Kernthema der sozialen Beschaffung. Durch die Identifikation risikobehafteter Einkäufe und gezielte Anforderungen können öffentliche Stellen dazu beitragen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit zu fördern, ohne den Wettbewerb einzuschränken.